Waschzwang

 

 

 

 

 

Peter Thiel 

Systemischer Berater und Therapeut / Familientherapeut (DGSF)

Telefon: 030 / 499 16 880 

Funk: 0177.6587641

E-Mail: info@praxis-fuer-loesungsorientierte-arbeit.de

Internet: http://praxis-fuer-loesungsorientierte-arbeit.de

Kontaktaufnahme per Mail wird empfohlen.

 

Die nachfolgenden Anfragen wurden teilweise leicht verändert, um die Anonymität der Anfragenden zu sichern.

 

 

 



 




-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: ...
Gesendet: Samstag, 19. September 2020 22:08
An: ...
Betreff: Familienberatung, Paar-/Elternberatung

Lieber Herr Thiel,

mein Partner und ich befinden uns in einer familiären Situation deren Besserung durch m. E. nur durch eine professionelle Begleitung in Form von Beratung und therapeutischer Expertise möglich gemacht werden kann.

Und um überhaupt zu klären, ob wir zu Ihrer Arbeitsweise und ihrer Schwerpunktsetzung passen möchte ich versuchen unsere Situation kurz zu schildern:

Wir sind eine junge Familie (T,,, m;33, W... w;30) mit 2 Kindern (A m;7, B w;4) und vor vier Wochen von ... in die ursprüngliche Heimat meines Partners gezogen. Ziemlich frisch hier also.

Mit der Entscheidung zum Umzug hat sich bei unseren Sohn eine Art zwanghafte Reinlichkeit nach Beendigung des Stuhlgangs entwickelt.

Da ich mich selbst durch mein Studium und privat mit den Themen Bindung, Beziehung, Sozialisation und Pschodynamische Prozesse auseinandergesetzt habe und immernoch auseinandersetze stelle ich in Frage, ob es tatsächlich etwas mit dem bevorstehenden und jetzt bereits geschehenen Umzug zu tun hat. Es erscheint mir v.a. in Bezug auf das Zurückliegen (temporär) wichtig. Wir hatten uns mit dem Ankommen im neuen Zuhause vergeblich Besserung erhofft.

Es ist anzunehmen dass das"unsaubere" Gefühl von unserem Sohn nicht mit dem Stuhlgang direkt zu tun hat (zumal dieser von seiner Beschaffenheit völlig normal und unproblematisch ist) sondern sich damit unbearbeitete Konflikte (unsere?, also die von mir oder meinem Mann) nach außen projizieren, welche A für uns spiegelt, wir jedoch unbeholfen sind was die Lösung dieser Konflikte anbelangt.

Meinem Partner ist es kürzlich einmal gelungen ihn zu unterstützen, indem er ein Bild von einem "kleinen A im Kopf" eingeführt hat, der glaubt nie wirklich sauber zu sein und den A überzeugen kann, dass er es sehr wohl ist, indem er sich ihn spielerisch aus dem Kopf schlägt und im Klo runter spült oder aus dem Fenster wirft... das hat für 2 Tage gut funktioniert und A hat es sogar geschafft ganz ohne Wasser seinen Popo mit Klopapier abzuputzen. Wasser wäre für uns prinzipiell auch immer voll ok, doch aktuell muss jedesmal ( manchmal 2x am Tag) die Wanne volllaufen gelassen werden während er 30-40 Minuten unterm Wannenhahn steht und sich Wasser über den Popo laufen lässt und ihn im Schnitt 5-10 mal (oder mehr einseift). Und danach verwendet er nochmal ein Feuchttuch zur Kontrolle der Sauberkeit und schließt mit einer Seifeneinreibung (wegen des Dufts) den Reinigungsvorgang ab. Ich versuche ihm zu helfen, indem ich ihn so verständnisvoll und liebevoll wie möglich versuche zu begleiten und ihn frage wie oft er meint sich denn noch einseifen zu müssen und wie viele Sekunden er noch schätzt letztlich Wasser über den Popo laufen zu lassen. Mein Partner wiederum begreift nicht, weswegen A seinem schon sauberen Popo dieser Prozedur unterziehen muss und reagiert oft mit gesundheitlichen Warnungen auf Folgeschäden für die Haut, dem Hinweis auf Wasserverschwendung und insgesamt einem großen Unverständnis der Problematik ggü. Er reagiert somit schnell auch impulsiv und emotional, was in den akuten Situationen zu vielen Tränen bei A und heftigen Konflikten zwischen A und ihm führt. Wenn seine so gestalteten Unterstützungsversuche dann auch nur im Ansatz nicht zu gelingen scheinen, wendet sich der Papa oftmals mit dem Worten "ach A, mach doch was du willst." ab und gleichzeitig droht er im nächsten Moment das Wasser jetzt endgültig auszustellen oder den geplanten bevorstehenden Tagesausflug abzublasen, weil A zu viel Zeit im Bad verbringt. Ich habe ihn schon darauf hingewiesen, dass er damit ggf. Die Problematik verstärken könnte und A gerade in Bezug darauf eine verlässliche und verständnisvolle Begleitung braucht damit wir ihn letztlich darin stärken können das Problem zu lösen. Und nicht unter Druck sein Verhalten ändert und das Symptom sich letztlich in andere Form re-aktualisiert weil der Konflikt ja schließlich ungelöst bleibt. So hängt letztlich unser Umgang untereinander, mit ihm und mit der Situation damit zusammen.

Mein Partner jedoch neigt dazu das Problem total auf unseren Sohn zu verlagern (er braucht seiner Meinung nach unbedingt eine Therapie) und seine Verhaltensweisen zu rechtfertigen, anstatt reflexiv an die Sache heranzugehen .... das ist jetzt natürlich eine sehr subjektive Wahrnehmung und Beschreibung meinerseits. Was jedoch außer Frage zu stehen scheint ist, dass mein Partner und ich häufig Konflikte haben, oft liegt die Ursache dafür darin, dass ich seinen Umgang mit den Kindern als zu "streng" und wenig auf Augenhöhe empfinde und wenn ich das ihm in irgendeiner Form vorsichtig spüren lasse oder sage, dann fährt er ungeachtet dessen ob die Kinder in der Nähe sind oder nicht, aus der Haut. Dabei gebe ich mir stets wirklich Mühe mich entweder völlig zurückzuhalten oder (wenn ich mal etwas sage) dies äußerst vorsichtig und ruhig zu tun. Manchmal erscheint er mir aber auch ohne dass ich etwas sage oder das irgendetwas passiert sein könnte als teilweise wirklich unberechenbar, was seine Launen und Impulse angeht.

Ich selbst habe Trainings zur GfK gemacht und bemühe mich dieses Wissen praktisch umzusetzen und begreife mich als bindungsorientierte Mutter, die ihre Kinder weniger "erziehen" möchte sondern sich vielmehr als Lebensweg-Bereiterin und -Begleiterin versteht.

Wären wir als Familie/Eltern denn überhaupt ein Fall den Sie begleiten würden? Wichtig erscheinen mir vor allem hilfreiche Gespräche mit meinem Partner ohne(!) und/oder mit mir. Ich freue mich über Ihre Rückmeldung.


Freundliche Grüße

...

 

 

 

 



 

 

-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: ...
Gesendet: Freitag, 17. Juli 2020 05:55
An: ...
Betreff: Hilfe dringend



Hallo Hr. Thiel,

Ich brauche dringend Hilfe.

Mein Mann und ich sind seit einem Jahr getrennt. Ich konnte ihren Bedürfnissen nicht gerecht werden.

Unsere Tochter ... ist 12 Jahre.

Die Situation mit ihr ist außer Kontrolle geraten. Sie hat Waschzwang und ich komme nicht mehr an sie ran. Jeder Tag ist eine Herausforderung und wird schlimmer.

Ich habe das Gefühl, dass das ein Hilferuf ist.

Wenn sie Zeit finden, rufen sie mich bitte an.

...

 

Mit freundlichen Grüßen

...

 

 

 

 


 

 

-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: ...
Gesendet: Mittwoch, 20. November 2019 18:42
An: ...
Betreff: Systemische Familientherapie

Sehr geehrter Herr Thiel,

für meine Familie möchte ich gerne eine systemische Familientherapie anstrengen.

Ich schildere Ihnen nun die häusliche Situation und wie ich die Familienmitglieder inklusive mir selbst sehe und bitte Sie um eine Einschätzung ob es für uns Sinn macht diese Form der Therapie bei Ihnen in Anspruch zunehmen, sofern Sie überhaupt noch Kapazitäten haben.

Zu meiner Familie:
Mein Mann und ich leben mit unseren 2 Kindern in ... . Aktuell ist mein Sohn, 11, mit ADHS und Asperger Zügen diagnostiziert, er war in Einzeltherapie über 2 Jahre, verweigert diese aber aktuell. Er besucht die 6. Klasse eines Gymnasiums, ist verhaltensauffällig, arbeitet aber an sich selbst und es ist eine Verbesserung zu letztem Jahr zu sehen. Auch im Sozialkontakt läuft es runder, erstmalig hat er einen Freund und eine Freundin. Sein IQ liegt bei 112. Meine Tochter, 9 , leidet an Dyskalkulie, isolierter Rechtschreibstörung und Konzentrationsschwäche. Ihre Symptome gleichen einer ADS, dennoch steht auch eine Traumaerfahrung oder Mobbing im Raum. Sie spricht nicht über Ihre Sorgen oder über das, was sie bedrückt, sie hat einen IQ von 122 kann aber in der Schule nur in den Nebenfächern konstant Leistung abrufen. Sie hat keine wirkliche Freundin. Auch sie war bereits 1 Jahr in Therapie, der Erfolg die Ursache der Konzentrationsschwierigkeit zu eruieren blieb aus und die Therapeutin stimmte der Beendigung der Therapie zu. Ebenso weigert sich meine Tochter aufzuräumen. Es ist ein übermässiger Kraftaufwand sie dazuzubringen z.b. Ihre Jacke und Schuhe in der Garderobe zu verstauen. Sie ist oft wütend und versucht meine Aufmerksamkeit stark an sich zu binden. Dies gilt auch für meinen Sohn. Beide Kinder sind mit Elvanse eingestellt.

Mein Mann hat keine Diagnose, er weigert sich sich untersuchen zu lassen, nach vorsichtiger Ferneinschätzung meines Therapeuten, zu mir erzähle ich auch gleich noch etwas, könnte er einen Waschzwang haben ( bereits seine Mutter teilte mir im Teenageralter mit, sie glaube, dass er das habe, hat ihn aber nie diagnostizieren lassen) meine Erzählungen könnten auch zur Vermutung im Bereich Asperger oder ADS führen, narzisstische Züge könnten vielleicht auch vorhanden sein.
Einige Beispiele aus dem Zusammenleben:
Er hat ein eigenes Bad, der Rest der Familie nutzt dies nicht, dieses Bad ist verdreckt und vermüllt, er kümmert sich nicht. Er wäscht sich nur in dem er sich von Kopf bis Fuß mit Feuchttüchern abreibt, diese in der Küche in eine Papuertüte schmeisst oder auch mal daneben. Er entsorgt auch die Tüte nicht. Erwartungshaltung ist dass ein anderer der Familie den Müll entsorgt. Nach jedem Duschen muss das Handtuch gewaschen werden. Handtücher zum Händeabteocknen müssen täglich gewechselt werden, wenn nicht verwendet er Taschentücher oder Küchenrolle. Wenn er etwas gesäubert hat und ein Familienmitglied dies berührt, wird er aggressiv.
Vereinbarungen müssen jahrzehntelang gelten, eine situationsbedingte Anpassung ist nicht möglich. Die Kinder sollen bereits für all Ihre Handlungen Eigenverantwortung übernehmen, sich völlig selbständig um alle schulischen Belange kümmern und vollständig Eigenmotivation für Hausaufgaben, Aufräumen und häusliche Pflichten aufweisen. Aktuell besteht sein Beitrag zum Familienleben aus Arbeiten gehen, seine eigene Wäsche waschen, für ihn wichtige Konsumgüter einzukaufen und unseren Sohn zu schimpfen wenn dieser sich nicht um die Spülmaschine kümmert. Er ist ... und ... . Zu Elternabenden ist er bereit mitzugehen. ( All dies entspricht selbstverständlich nur meiner subjektiven Wahrnehmung).

Nun zu mir:
Ich bin 41, vor 3 Jahren wurde ich mit ADS diagnostiziert. Die Vermutung das zu haben, hatte ich allerdings bereits 10 Jahre zuvor, kein Arzt hat dies allerdings in Betracht gezogen. Bereits zuvor und während der Diagnostik und der Medikamenteneinstellung war ich insgesamt 18 Monate nicht arbeitsfähig. Erst durch die Medikamenteneinnahme wurde ich den Kindern gegenüber wesentlich präsenter als zu vor und auch ruhiger. Ich habe zeitgleich meine 2. Therapie begonnen. Aktuell versuche ich den Kindern mit ihren Schwierigkeiten gerecht zu werden und mein Verständnis für sie in meinem Verhalten umzusetzen. Ich kümmere mich um Lehrergespräch, Therapeutentermine, arbeite mit meiner Tochter an ihrer Dyskalkulie, nehme Arzttermine wahr, führe Gespräche mit der Ganztagsschule, gehe in Teilzeit arbeiten, sorge dafür dass alles für die Schule erledigt wird, kümmere mich um den für mich am schwierigsten Part: Post erledigen, wobei ich das oft nicht gut schaffe, versuche so gut es mir möglich ist Ordnung in das heimische Chaos zu bringen, (Ordnung und Struktur sind ebenfalls 2 Pferdefüsse für mich) den Haushalt zu erledigen, höre mir das fast tägliche Gemotze meines Mannes über etwas was nicht erledigt ist an ( er findet immer etwas).

Unser Umgangston miteinander ist unmöglich und respektlos. Humor gibt es nicht ( eigentlich sind sowohl mein Mann als auch ich humorvoll). Oft bin ich aus Situationen mit meinem Mann heraus wütend was dann die Kinder trifft. Dieses Szenario schadet jedem innerhalb der Familie.

Mit der Bitte um Feedback und vielleicht auch einem ersten Terminvorschlag verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

...

 

 

 

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