Riesen Knall

 

 

 

 

Peter Thiel 

Systemischer Berater und Therapeut / Familientherapeut (DGSF)

Telefon: 030 / 499 16 880 

Funk: 0177.6587641

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Die nachfolgenden Anfragen wurden teilweise leicht verändert, um die Anonymität der Anfragenden zu sichern.

 

 

 






-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: ....
Gesendet: Montag, 1. Oktober 2018 11:44
An: ...
Betreff: Anfrage Paartherapie (ggf. Paarberatung, Sexualtherapie)

Sehr geehrter Herr Thiel,

Ich lebe seit über 10 Jahre in einer Beziehung aus der vor 5 Jahren auch eine Tochter entstand. Diese Beziehung ging durch unwahrscheinlich viele Höhen und besonders auch Tiefen ... . Die Beziehung hat aber bisher allem standhalten können, da wir diese Probleme gemeinsam bewältigt haben.

Seit Monaten empfinde ich eine starke Isolation, Ignoranz, Desinteresse von Seiten meines Partners, auf das ich ihn immer und immer wieder ansprach, aber nur zur Antwort bekam "nein, es ist nichts." Mein Partner zieht sich im generellen eher zurück und macht seine Probleme mit sich selbst aus (oder denkt zumindest das zu müssen). Nicht von der Hand zu weisen ist natürlich das Problem mit einer unzureichenden und darum natürlich unerfüllten Sexualität über bereits einen längeren Zeitraum, dass sich aus all dem irgendwann ergab.

Alles in allem haben wir dieses nebeneinanderher leben nun vermutlich zu lange praktiziert. Seine Kompensation der Probleme war im Haushalt das Nötigste zu tun und sich dann anderen Sachen zu widmen, viel arbeiten und Alkohol zum "Kopf ausschalten". Ich habe mich, weil ich das unbewusst sicher irgendwie bemerkte, darum immer mehr an unser Kind geklammert. Vielleicht um der Einsamkeit zu entgehen.
Aus der fehlenden, ausbleibenden Sexualität ergibt sich zwangsläufig ein sehr großes Problem (besonders für ihn als Mann). Es handelt sich dabei um falsche und fehlende Kommunikation, das fehlerhafte deuten von Signalen dem Partner gegenüber die es nicht mehr zu sexueller Aktivität haben kommen lassen und dadurch einen Kreislauf an völlig falscher Kompensation beiderseits (er ist nur noch weg und kommt angetrunken oder betrunken spät nach hause und ich klammere mich so immer mehr an unser Kind). So ist ein Kreislauf entstanden, den wir scheinbar alleine nicht mehr durchbrechen können.

Nun haben wir sehr viel darüber gesprochen (vermutlich zuviel aufeinmal durch zulange fehlende Kommunikation und auch vermutlich zum Teil nicht konstruktive Kommunikation durch mich, denn ich war und bin natürlich sehr verletzt.) Für sein Empfinden auf jeden Fall zu viel.
Leider habe ich dabei zu meist eher Monologen geführt, da er ja nicht gerne redet und sich durch diese Situation total unter Druck gesetzt gefühlt hat. Er war der Meinung jetzt eine Entscheidung treffen zu müssen, weil er meinte ich hätte das verlangt. Das wollte ich aber nicht und ich möchte ihn keinesfalls unter Druck setzen. Nun ist er, laut seiner Aussage, zu einem Endpunkt gelangt, an dem er die Beziehung beenden möchte. Laut seiner Aussage hat er keine Gefühle mehr für mich. Das empfinde ich natürlich als ganz schlimm und ist schwer zu glauben für mich (wo sind sie denn aber so plötzlich hin, sie waren doch aber vor kurzem noch da?). Soll ihm dies nur durch meine vielen Gedanken und Gespräche plötzlich bewusst geworden sein? Oder ist es eben wieder der einfachere Weg, den er da gewählt hat, um sich nicht damit oder mit mir auseinandersetzen zu müssen?
Es gab nun diesen riesigen Knall und mein Partner ist von heute auf morgen der Meinung seine Gefühle für mich seien weg.

Aufgrund des eigentlichen gemeinsamen Lebens und unser Familie mit unserer Tochter haben wir gemeinsam beschlossen, gemeinsam daran zu arbeiten. Wir einigten uns darauf, zunächst in unserem Alltagsleben Veränderung vorzunehmen. Das waren übertrieben gesagt und nur aus meiner Perspektive "große Opfer" die ich sehr schnell verändert und gebracht habe. Beispielsweise schläft unsere Tochter seit dem, von einem auf den anderen Tag, nicht mehr mit im elterlichen Bett. Vermutlich wollte ich so aufzeigen, wie schnell Veränderungen geschaffen werden können, wenn man sie wirklich erreichen will. Bei ihm ist da leider schon von Beginn an eine gewisse Skepsis und ein Zweifel, dass es überhaupt funktionieren kann und sich diese Arbeit daran lohnt. Er gibt an, daran zu zweifeln, dass sein Gefühle zu mir zurückkehren werden oder können. Leider begründet er damit auch, die für mich "unzureichende" Arbeit an den Problemen, der Beziehung usw.

Derzeit sind wir bemüht zunächst eine Veränderung in unserem Alltagsleben herbei zu führen. Das klappt soweit zunächst ganz gut. Außer das ich befürchte, dass so nicht seine Gefühle zurückkehren können, denn es ist ja nur eine veränderte Alltagstruktur in der wir genauso nebeneinanderher leben wie bisher.
Er möchte auch weiterhin keine Gespräche führen oder Unternehmungen mit mir allein. Seine Veränderung ist, meinem Empfinden nach auch geringer als meine, denn er verzichtet mir zu Liebe oder der Beziehung zu liebe trotzdem auf nicht viel (meinem Gefühl nach) und bemerkt scheinbar die von mir herbei geführten Veränderungen nicht. Kann und muss er laut eigener Aussage auch nicht, denn seine Gefühle für mich sind ja nicht da . Meiner Empfindung nach rechtfertigt er durch das veränderte Alltagsleben ein: ich arbeite ja daran, aber mehr muss ich aufgrund der fehlenden Gefühle zu dir auch nicht tun. Er "kompensiert" auf seine Art wieder durch Arbeit, ... und Alkohol um dem eigentlichen Problem zu entgehen und nicht darüber nachdenken und sprechen zu müssen. Ich komme einfach nicht mehr an ihn heran. Er schottet sich soweit von mir ab, macht völlig zu und lässt auch keine Gedanken zu (ob bewusst oder unbewusst). Meine derzeitiger Vorschlag war: das ich versuche öfters einfach die Klappe zu halten und bitte ihn aber im Gegenzug darum nicht bei jeder Gelegenheit und Abwesenheit von mir seinen Kopf völlig auszuschalten, da ich das Problem nicht weg-ignorieren, sondern irgendwann daran arbeiten können möchte.

Nun habe ich mittlerweile auch schon sexuelle Annäherungsversuche unternommen. Diese blieben leider erfolglos (meines Erachtens auch aufgrund seines Misstrauen an einen möglichen Erfolg und des vorherigen Alkoholkonsums, denn durch diesen verschließt er sich völlig und ich dringe nicht zu ihm als "meinen Kuschelbär" durch). Was ihn nun leider in seiner Meinung bestärkt, dass alles hätte keinen Sinn und wird nicht zum Erfolg führen. Vielleicht hat er aber auch Angst vor der Anstrengung sich zu ändern oder könnte womöglich schon eine Abhängigkeit zum Konsum bestehen?

Da er, laut eigener Aussage, zwar nicht denkt, dass die Gefühle zu mir wieder kommen werden, aber bereit ist daran zu arbeiten bitte ich Sie inständig um Ihre Hilfe! Mein Partner der, zumindest laut Aussage, noch bereit ist am Fortbestehen unserer Beziehung zu arbeiten (seine nonverbalen Signale und sein Verhalten lassen mich gerade leider daran zweifeln, aber viele interpretiere ich falsch, das sollte ich vielleicht nicht, Vielleicht sollte ich es ihm glauben, wenn er es mir zusichert?!) und ich möchten Ihre Hilfe gemeinsam in Anspruch nehmen.
Noch ist er, laut Aussage, bereit daran zu arbeiten und ich sprach bereits mit ihm darüber, dass wir nun professionelle Hilfe brauchen. Diese würde, laut seiner Aussage, auch er in Anspruch nehmen.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Kann es auch für diese verfahren Situation noch Hoffnung geben? Ist mein Gedanke der richtige, wenn ich vermute ihm müssen die Augen geöffnet werden, damit er Gefühle zulassen kann? Trotz seiner Zustimmung zur gemeinsamen Arbeit daran komme ich auch weiterhin nur Desinteresse und das Gefühl, dass er versucht mich zu meiden. All das ist sehr verletzend für mich, wo ich mich doch bereits bemühe konsequent an alltäglichen Veränderung zu arbeiten.

Ist ein Gespräch mit Ihnen noch sinnvoll? Gehe ich richtig in der Annahme, dass wir eine neutrale 3. Person brauchen? Können Sie uns helfen? Liege ich falsch in der Ansicht diese Beziehung retten zu wollen und das dies möglich ist? Er kann und möchte schon immer keine Entscheidungen treffen, da ich ihm diese momentan nicht abnehme ist eine große Befürchtung von mir natürlich, dass er die Entscheidung an die professionelle Hilfe abgeben will und durch diesen Hilfegesuch meinerseits wieder nur erhofft die Bestätigung zu bekommen, dass sein Zweifel berechtigt ist. Ich hoffe natürlich,das dem nicht so ist! Aber vielleicht ist es auch von ihm ein ernst gemeinter Gesuch an der Beziehung zu arbeiten?

Bitte, wenn möglich, helfen Sie uns schnellstmöglich!

Vielen Dank im voraus!
Ich wäre ihnen für eine schnellst mögliche Bearbeitung meines Problems sehr dankbar!

Mit freundlichem Gruß,

...

 

 

 

 

----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: ...
Gesendet: Mittwoch, 3. Oktober 2018 12:39
An: ...
Betreff: AW: Anfrage Paartherapie (ggf. Paarberatung, Sexualtherapie)



Sehr geehrte Frau ...,

Danke für Ihre Anfrage.

Die Beschreibung der Situation aus Ihrer Sicht ist recht ausführlich.

Ich könnte bezüglich der Frage, wie eine Lösung gelingen könnte, mit Fritz Perls antworten:

 

4. Leiden

"Wir wollen nun auch die Bedeutung des Leidens untersuchen. Die schöpferische Lösung, so haben wir gesagt, ist den kriegführenden Parteien nicht bekannt; sie ergibt sich erst aus dem Konflikt. In diesem Konflikt werden die Parteien, ihre Gewohnheiten und Interessen, teilweise zerstört; sie erleiden Niederlagen und Schmerzen, In sozialer Kooperation streiten sich die Partner also und machen sich kaputt, sie hassen den Konflikt. Der Dichter, der ein Gedicht macht, ärgert sich über ein störendes Bild, das sich eindrängt, oder über einen Gedanken, der ihn vom Thema wegführt; er zerbricht sich den Kopf, klammert sich an seinen Vorwurf, kommt durcheinander und ins Schwitzen. Wer in einen Konflikt verwickelt ist, kann den Schmerz aber nicht vermeiden, denn ihn jetzt zu unterdrücken, würde nicht Lust, sondern Unlust bereiten, Langeweile, Unbehagen und nagenden Zweifel. Außerdem wirkt der Konflikt selbst im Schmerz noch erregend. Wie wird nun der Schmerz tatsächlich am Ende doch noch verringert?
Indem man schließlich »aus dem Weg geht«, um die große Regel des Tao zu zitieren. Man löst sich von seiner vorgefaßten Idee, wie es ausgehen »müßte«. Und in die so entstandene »fruchtbare Leere« strömt die Lösung ein. Das heißt, man wird handgemein, spielt die eigenen Interessen und Fertigkeiten aus, läßt sie aufeinanderprallen, um den Konflikt zuzuspitzen und um sie zerstört und verändert in die heraufdämmernde Idee eingehen zu lassen; und schließlich klammert man sich an seine Interessen nicht mehr als an die »eigenen« Interessen. In der Erregung des Schöpfungsvorgangs findet man zu einer schöpferischen Unparteilichkeit zwischen den sich befehdenden Kontrahenten, und dann, in einem ganz unverantwortlichen, fröhlichen Gemetzel, tobt nun wahrscheinlich jeder der Kontrahenten alle seine Aggressionen für und wider die eigene Seite aus. Aber das Selbst wird nun nicht länger zerstört, denn es findet jetzt erst heraus, was es ist.

Frederick S. Perls; Paul Goodman; Ralph F. Hefferline: “Gestalttherapie. Grundlagen“, dtv, 1979, S. 151



Wenn dies gelingen sollte, brauchen Sie keinen Therapeuten, Coach oder Berater, die Lösung wird dann einfach entstehen.

Aber, "es ist das Einfache, das schwer zu machen ist" (um mit Bert Brecht zu sprechen).


Falls Sie also unsere Hilfe wünschen, würden wir versuchen, einen freien Termin zu finden.



Mit freundlichen Grüßen


Peter Thiel

 

 

 

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