Loslassen

 

 

 

 

 

Peter Thiel 

Systemischer Berater und Therapeut / Familientherapeut (DGSF)

Telefon: 030 / 499 16 880 

Funk: 0177.6587641

E-Mail: info@praxis-fuer-loesungsorientierte-arbeit.de

Internet: http://praxis-fuer-loesungsorientierte-arbeit.de

Kontaktaufnahme per Mail wird empfohlen.

 

Die nachfolgenden Anfragen wurden teilweise leicht verändert, um die Anonymität der Anfragenden zu sichern.

 

 

 

 






-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: ...
Gesendet: Dienstag, 8. Mai 2018 22:34
An: ...
Betreff: Hilferuf

Sehr geehrter Herr Thiel,

Nach langjähriger Beziehung bin ich mit der Trennung selbiger nun konfrontiert. Aufgrund meiner starken Gefühle kann und will ich nicht loslassen.

Ich habe die letzten Wochen versucht die Dinge selbst zu verarbeiten aber mir fehlt Halt, Struktur und Zukunft.

Ich hoffe sie können mir hierbei eine Hilfestellung geben.

Mit freundlichem Gruß!

...

 

 


Sehr geehrter Herr ...,


Danke für Ihre Anfrage.

Das was Sie als starke Gefühle bezeichnen, sind neuronale Verbindungen im Gehirn. Das macht die Sache sicher nicht einfacher, aber verständlicher.

Es ist völlig o.k. wenn Sie nicht loslassen wollen, auch dies basiert auf neuronalen Verbindungen.


Solche neuronalen Verbindungen lösen sich nicht so schnell auf, mitunter dauert es Monate, bis die entsprechenden neuronalen Verbindungen schwächer werden und andere, meist neue neuronale Verbindung, stärker.

...



Mit freundlichen Grüßen


Peter Thiel



 

 

 

 



-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: ...
Gesendet: Donnerstag, 30. November 2017 12:04
An: ...
Betreff: Kontakt

Lieber Peter Thiel,

diese vertrauliche Anrede habe ich gewählt, weil ich zufällig am gestrigen Abend auf der Seite ... gelandet bin und mich viele Ausführungen dort sehr berührt haben.

Heute Morgen hat mich mein aktueller Beziehungsstress dazu geführt, nach einer Möglichkeit der Paartherapie in ...  zu suchen, was mich auf die Seite ... . Und da lese ich wieder Ihren Namen.

Das bringt mich jetzt in die Zwickmühle. Eigentlich war ich auf der Suche nach einem Platz für eine Paartherapie, aber eine persönliche Beratung von Ihnen kann ich mir ebenfalls als sehr hilfreich vorstellen, zumal ich vor einiger Zeit nach einem Therapieplatz gesucht habe, aber scheinbar muss man mit Selbstmord o.ä. drohen um dort ernst genommen zu werden (grins), jedenfalls waren alle hoffnungslos überfüllt (zugegeben, Bezahlangebote habe ich bisher wegen knapper Kasse und großer Familie nicht in Erwägung gezogen, aber 60,-€/h erscheinen fair).

Meine (Haupt-)Krise:

Meine Frau arbeitet (seit eineinhalb Jahren intensiv) den körperlichen Missbrauch Ihres Vaters auf (er ist vor längerer Zeit gestorben). Dadurch ist Körperlichkeit (die vorher ein zentraler Bestandteil unserer Partnerschaft war) quasi nicht mehr vorhanden und wir reiben uns daran auf, uns gegenseitig unsere Bedürfnisse mitzuteilen (inbesondere Körperlichkeit / keine Körperlichkeit). Da mich gerade ihre Offenheit für Körperlichkeit in die Beziehung geführt hat, fällt es mir sehr schwer, "meine Finger bei mir zu lassen" und nach spätestens 3-4 Tage gehe ich wieder auf sie zu (und laufe in aller Regel gegen die Wand in Form von ignoriert werden). Auf die Dauer zehrt das sehr an meiner Persönlichkeit, die sehr beziehungsorientiert ist.

Meine Frau ist seit ca. 2 Jahren in einer Psychotherapie (ursprünglich insbesondere wegen ...) und möchte, dass ich mich (meinen Beziehungsstil) ändere.

Aber wer bin ich dann noch, wenn ich einen großen Teil dessen, was mich ausmacht ändere (falls das überhaupt geht)?

Letztlich läuft es aufs Loslassen hinaus (natürlich nur in diesem einen Bereich...). Aber ich frage mich, was mich noch hält, wenn ich einen großen Teil dessen, was mich bindet, loslasse.

Natürlich ist Körperlichkeit nicht alles, aber ohne Körperlichkeit scheint alles nichts zu sein.

 

Können Sie mich in meiner Situation unterstützen, was denken Sie?

Noch einige Eckdaten:
...



Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung.

Beste Grüße

...

 

 

 

Sehr geehrter Herr ...,

Danke für Ihre Anfrage.



In der Tat scheint mir Loslassen, der richtige Weg.

Sobald Sie loslassen, was wohl eine der schwersten Übungen ist, öffnen sich neue Wege.

 

In einem Vortrag von Paul Watzlawick finden wir eine interessante Deutung des bekannten Satzes "Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!"

aus "Die Göttliche Komödie, Inferno III, 9 (Das Höllentor)" von Dante Alighieri.

(Original ital.: "Lasciate ogni speranza, voi ch'entrate!")

https://de.wikiquote.org/wiki/Dante_Alighieri



Watzlawick sagt:

"Lasst alle Hoffnung fahren, die ihr eintretet, stehe auf dem Tor zur Hölle.
... Das ist nicht der Fall. Dieser Satz steht auf dem Eingang zum Paradies: Lasst alle Hoffnung fahren und dann tretet ein."

Watzlawick: Vom Sinn des Unsinns. Part 9. 2.38 min

 

 

In diesem Sinne könnte es in der Tat darum gehen, nicht vordergründig Beziehungskosmetik und Anpassung um der Anpassung Willen zu betreiben, sondern um eine Reorganisation des eigenen Lebens. Was dabei herauskommt, steht in den Sternen, Sicherheiten gibt es keine. Wer sich an Sicherheiten klammert, hat schon verloren.





Mit freundlichen Grüßen


Peter Thiel

 

 

 

 

 

home