Dominant

 

 

 

 

 

Peter Thiel 

Systemischer Berater und Therapeut / Familientherapeut (DGSF) 

Telefon: 030 / 499 16 880 

Funk: 0177.6587641

E-Mail: info@praxis-fuer-loesungsorientierte-arbeit.de

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Die nachfolgenden Anfragen wurden teilweise leicht verändert, um die Anonymität der Anfragenden zu sichern.

 

 

 

 





-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: ...
Gesendet: Montag, 23. September 2019 10:33
An: ...
Betreff: Terminanfrage

Guten Tag.

Ich habe in meiner Beziehung das Problem das ich mit der Zeit immer eifersüchtiger geworden bin.

 Ich kann ihnen ja mal kurz die Lage schildern ob sie uns dabei helfen können.

Ich bin mit meiner Freundin seid vier Jahren zusammen und sie ist für mich die Frau meines Lebens. Wir sind beide 37 Jahre. Wohnen seid gut einem Jahr in meinem Haus auf dem Lande zusammen.

Ich bin mit ihr zusammen sehr glücklich und es fühlt sich alles so richtig an.

Wir haben in vielen Hinsichten die gleichen auffassungen von unserer Zukunft.

Teile viele Gemeinsamkeiten,.......

Ich war vor ihr mit einer Frau 8 Jahre zusammen und haben uns dann scheiden lassen weil sie mir öfter Fremd gegangen ist.

Jetzt ist es bei uns in der Beziehung so das meine Freundin immer weniger Nähe zulässt weil sie Probleme aus ihrer Vergangenheit abarbeiten muss(Beziehungen in denen sie sexuell missbraucht wurde (vor 18 Jahren)) sie ist deswegen auch in Behandlung um diese Sachen aufzuarbeiten.

Ich habe mal vor längerer Zeit in ihrem Tagebuch gelesen und dort hat sie geschrieben das auch kurz vor der Beziehung mit mir noch sexuelle Fantasien da waren und das sie auch intimen Kontakt zu Männern hatte.

Dafür das ich im Tagebuch gelesen habe hab ich mich bei ihr schon mehrfach entschuldigt und ich weiß auch das es scheiße war.

Es fühlt sich nur alles so komisch an wenn man vom Partner nicht mehr die Liebe bekommt die man sich wünscht.

Wenn ich sie anfassen möchte muss ich sie Fragen ob es OK ist.

Sie ist da sehr dominant und sagt immer lass mich doch auf dich zukommen.

Ich denke das ich aus diesen Gründen auch sehr eifersüchtig geworden bin.

A ist die Frau mit der ich gerne alt werden möchte und für die ich echt alles tun würde.

Ich bzw. wir würden uns freuen wenn sie uns hierbei helfen können.



Mein Ziel wäre es das ich meine Eifersucht in den Griff bekomme und das A wieder etwas mehr Nähe zulassen kann.

...


 

 

-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: ...
Gesendet: Montag, 23. September 2019 13:26
An: ...
Betreff: AW: Terminanfrage



Sehr geehrter Herr ...,

Danke für Ihre Anfrage.


Ihre Eifersucht können Sie loswerden, wenn Sie von Ihrem Besitzanspruch loslassen.

Oder wie es Fritz Perls ausdrückt:

"Nehmen wir zwei einfache Fälle zur Illustration: Ein Mann ist krank; er versucht, seinen Geschäften nachzugehen und leidet; zu der Einsicht gezwungen, daß er nun ein ganz anderes Geschäft hat, kümmert er sich um seine Krankheit, legt sich hin und wartet; das Leiden läßt nach, und er schläft ein. Oder der Tod eines geliebten Menschen: Es gibt einen traurigen Konflikt zwischen intellektuellem Hinnehmen einerseits, Wünschen und Erinnerungen andererseits. Der Durchschnittsmensch versucht sich abzulenken, wer aber mehr von sich verlangt, gehorcht dem Zeichen und gibt sich dem Leiden hin; er ruft sich die Vergangenheit zurück und sieht seine Gegenwart hoffnungslos versperrt. Er weiß nicht, was er tun soll, jetzt, da alles aus den Fugen ist; die Trauer, die Verwirrung und das Leiden dauern lange, denn so vieles muß zerstört und vernichtet und so vieles assimiliert werden, und währenddessen darf er nicht seinen unwichtigen Geschäften nachgehen und den Konflikt vorsätzlich unterdrücken. Schließlich ist die Trauerarbeit erledigt, der Mensch verändert; er nimmt nun eine Haltung schöpferischen Desinteresses ein, und alsbald werden neue Interessen vorrangig.
Emotionales Leiden ist ein Mittel, die Isolierung des Problems zu verhindern, damit das Selbst im Durcharbeiten des Konflikts im Felde des Gegenwärtigen wachsen kann. Je eher man bereit ist, im Ankämpfen gegen den zerstörerischen Konflikt nachzugeben, desto schneller ist das Leiden vorüber.

Frederick S. Perls; Paul Goodman; Ralph F. Hefferline: “Gestalttherapie. Grundlagen“, dtv, 1979, S. 152


Hier können Sie also einiges tun, da Sie ja selbst der Mensch sind, um den es geht.



Mit dem zweiten Wunsch:

"... und das A wieder etwas mehr Nähe zulassen kann."

ist das schon ganz anders. Denn zum einen ist es vielleicht so, dass A vielleicht gar nicht die von Ihnen gewünschte Nähe zulassen will, das wäre dann kein Defizit, sondern eine Haltung, zu der sie sich positionieren können, aber vermutlich nur wenig Einfluss auf eine Änderung in der von Ihnen gewünschten Richtung haben.

Sie müssten also auch hier im Sinne von Fritz Perls "loslassen", wenn Sie sich nicht an dem Konflikt aufreiben wollen.


Ist A an einem gemeinsamen Beratungstermin und an Veränderungen interessiert oder will Sie in eine ganz andere Richtung als Sie?


Mit freundlichen Grüßen


Peter Thiel

 

 

 

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