Computersucht

 

 

 

 

 

Peter Thiel 

Systemischer Berater und Therapeut / Familientherapeut (DGSF)

Telefon: 030 / 499 16 880 

Funk: 0177.6587641

E-Mail: info@praxis-fuer-loesungsorientierte-arbeit.de

Internet: http://praxis-fuer-loesungsorientierte-arbeit.de

Kontaktaufnahme per Mail wird empfohlen.

 

Die nachfolgenden Anfragen wurden teilweise leicht verändert, um die Anonymität der Anfragenden zu sichern.

 

 

 

 

 

 




-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: ...
Gesendet: Freitag, 28. Dezember 2018 10:12
An: ...
Betreff: Familientherapie


Hallo,
wir sind eigentlich eine normale Familie aber mit einem computerspielsüchtigen 18jahrigem Sohn. In der Vergangenheit kam es leider immer wieder zu extrem belastenden gewalttätigen Situationen für uns als Eltern, aber auch für die beiden jüngeren Geschwister 13 und 15 Jahre. Auch die ältere Schwester 20, die aber überwiegend nicht mehr zu Hause wohnt leidet unter der Situation.

Da der 18jahrige sich einer Therapie verweigert und das Problem nicht bei sich sieht, möchte ich versuchen auf diesem Weg Ehe und Familie zu entlasten.
Welche Möglichkeiten könnte es geben?

Mit freundlichen Grüßen

...

 




-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: ...
Gesendet: Freitag, 28. Dezember 2018 12:09
An:...
Betreff: AW: Familientherapie


Sehr geehrte Frau ...,

Danke für Ihre Anfrage.

Mir scheint, Ihr Sohn hat auf seine Weise nicht ganz unrecht. Ich hoffe, ich darf das so direkt sagen. Von daher muss ihr Sohn auch nicht in Therapie, die er ohnehin, wie sie mitteilen, verweigert. Von daher hilft also nur, dass die anderen sich und das Setting verändern, dann kommt auch der Sohn nicht umhin, sich auf die veränderten Realitäten einzustellen, denn man kann nicht ncht kommunizieren (Paul Watzlawick).

Darf ich fragen, was der junge Mann schulisch oder beruflich macht und wie erfolgreich oder nicht erfolgreich er dabei ist?


Zur Zeit hätte meine Kollegin freie Termine, falls das für Sie in Frage käme. Gerne gebe ich meiner Kollegin Bescheid, wenn Sie einen Termin wünschen.

Ihr Sohn muss an den Sitzungen nicht teilnehmen, wenn er nicht will. Es erscheint mir aber sinnvoll, wenn die Sitzungen in Ihrer Wohnung stattfinden und zwar immer zu den Zeiten, in denen Ihr Sohn am Computer sitzt und seiner "Sucht" nachgeht. So ist er in die Sitzungen mit eingebunden, auch wenn er nicht direkt an ihnen teilnimmt (Man kann nicht nicht kommunizieren). Das erscheint mir eine äußerst effektive "therapeutische" Maßnahme zu sein.

Sodann gilt es aus meiner Sicht, herauszufinden, was die Umwelt des jungen Mannes macht, so dass dieser "computersüchtig" wird (eine äußerst effektive Lösung, um sich unangenehmen Umständen wenigstens zeitweilig zu entziehen). Als zweiter Schritt wäre dann zu überlegen, was zu tun wäre, damit ihr Sohn diese - auf Dauer problematische Lösung - nicht mehr braucht. Beide Schritte brauchen womöglich einige Zeit, denn grundlegende Veränderungen passieren zumeist nicht von heute auf morgen. Wobei es von diesem Grundsatz auch Ausnahmen gibt, das nennt man dann Kurzzeittherapie.


...


Mit freundlichen Grüßen


Peter Thiel

 

 

 

 

-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: ...
Gesendet: Freitag, 28. Dezember 2018 18:55
An: ...
Betreff: Re: AW: Familientherapie

Sehr geehrter Herr Thiel,

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort.

Ich musste mich erst mit meinem Mann besprechen. Unser Sohn macht nach dem 10B-Abschluss der Hauptschule eine schulische Ausbildung zum ... in ... . Wie erfolgreich, wissen wir nicht genau, da er uns die Auskunft darüber verweigert. Im Sommer ist er mit Nachprüfung ins dritte Ausbildungsjahr versetzt worden. Seine schwachen Leistungen entstanden durch hohe Fehlzeiten, wenn er mal wieder nicht aus dem Bett kam, da die ganze Nacht durchgezockt wurde.

Uns belog er dann mit Unterrichtsausfall. Da wir beide berufstätig sind, war uns das dann auch längere Zeit nicht aufgefallen. Nach einem großen Eklat im Sommer, bei dem wir ihm den Rauswurf angedroht und vieles mehr verlangt haben, klappte es dann auch zunächst besser.

Nun waren wir vor Weihnachten wieder bei diesem Punkt. Schuleschwänzen durch Übernächtigung, mangelnde Körperhygiene usw. Ich weiß da steckt sicher ganz viel hinter, aber mein Mann und ich sind eigentlich nur noch hilflos. Wir schwanken immer zwischen riesiger Wut (im Sommer stand ich mit dem Messer vor ihm, um ihn zum Verlassen des Hauses zu zwingen) Mitleid und einem Hau-bloß ab-Gefühl. Da wir zur selben Zeit nie das gleiche für ihn empfinden, streiten wir uns häufig über den richtigen Umgang mit ihm. Das belastet unsere Ehe sehr.

Auch die drei Geschwister leiden, einerseits, da für den Bruder immer andere Regeln gelten, andererseits, da sie ihren Bruder nicht verlieren wollen.

Manchmal fürchte ich einen Suizid manchmal habe ich Angst, er könne der Familie etwas antun, wenn wir ihn wieder extrem unter Druck setzen.

Nun haben wir ihm wieder den Rauswurf angedroht und er hat heute auch Anfragen für kleine Wohnungen abgeschickt. Auch seine Wäsche wäscht er gerade, da ich mich seit drei Wochen weigere das zu tun.

Nun sehe ich gerade wieder Licht am Ende des Tunnels, weiß aber genau, der nächste Eklat kommt bestimmt.

Ich würde es daher gerne mit einer Familientherapie versuchen. ...

Unser ältester Sohn war für uns schon immer schwierig. Schon als Kleinkind hat er uns mit seinem Essverhalten zur Weißglut gebracht. Nie hat er normal mitgegessen, immer hat er sein eigenes Ding gemacht. Wir haben sicher viele Fehler gemacht. Nun kommen wir einfach nicht mehr an ihn heran. Es ist kein Gespräch möglich. Entweder er redet gar nicht oder einsilbig mit uns. Mehrere Male hat er mich nun boshaft beschimpft. Das kann man ein- oder zweimal verzeihen, aber mittlerweile sitzt das echt tief. Bei ihm sicher auch, denn eigentlich fühlen wir beide uns seit vielen Jahren von ihm enttäuscht und das spürt er sicher. Aber man kann Liebe und Stolz ja nicht erzwingen.  ...

Vielleicht ist auch noch wichtig zu wissen, dass wir mit ... schon vor vier Jahren bei der Erziehunsberatungsstelle waren. Leider ohne Erfolg, da er nicht weiterarbeiten wollte. Beim Psychologen in ... wurden schon mit 15 Depressionen festgestellt. Eine Therapie verweigerte er. Bei der Jugendambulanz in ... hat man ihm vor 2 Jahren zur Therapie gegen die Spielsucht geraten. Er sah keinen Grund dafür. Er habe das im Griff. Er selbst sagte, er sei in der Schule gemobbt worden. Wir konnten ihm damals nur durch Schulwechsel helfen, da in der Schule das leider niemand so sah. In der Zeit begann auch vermutlich schleichend seine Spielsucht. Von ... Realschule ging es dann in der 7ten Klasse nach ... . Am Ende der 8 wurde er nicht versetzt und wechselte zur Hauptschule. In diesen Jahren verlor er alle Freundschaften, verließ alle Vereine und ist seitdem eigentlich außer in der Schule nur zu Hause. Den ..., den er noch am längsten durchhielt, hat er letztes Jahr auch aufgegeben, weil er dort mit niemandem ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut hat. Beziehungen hat er nur zu Online-Spielpartnern all over the world.

Mit freundlichen Grüßen

...

 

 

 

 

 

 

 

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