Aufmerksamkeit

 

 

 

 

 

Peter Thiel 

Systemischer Berater und Therapeut / Familientherapeut (DGSF)

Telefon: 030 / 499 16 880 

Funk: 0177.6587641

E-Mail: info@praxis-fuer-loesungsorientierte-arbeit.de

Internet: http://praxis-fuer-loesungsorientierte-arbeit.de

Kontaktaufnahme per Mail wird empfohlen.

 

Die nachfolgenden Anfragen wurden teilweise leicht verändert, um die Anonymität der Anfragenden zu sichern.

 

 

 

 

 

 



-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: ...
Gesendet: Donnerstag, 4. Januar 2018 16:38
An: ...
Betreff: Termin

Hallo,
Ich wende mich an Sie, da wir seit ungefähr 1/2 Jahr viele Konflikte mit unserem 9 jährigen Sohn haben... Er ist der jüngste von 4 Kindern (Jungs), die anderen sind 20, 18 und 16 Jahre alt (also ein Nachzügler ;-)), gleiche Eltern, gleiche Schule, keine Umzüge oder grössere traumatische Erlebnisse.
Er sagt immer wieder, dass er sich nicht von uns geliebt fühlt, sagt dass er weiss dass wie ihn los werden wollen und dass wir am besten damit gedient wären, wenn er gar nicht mehr da wäre... Mindestens 1x pro Woche kommt dieses Thema auf den Tisch und nach 1-2 stunden glätten sich die Wogen, er sagt dass er auch nicht weiss, warum er das sagt, und weiss auch nicht, was er oder wir anders machen können...

Ich arbeite selber mit Familien, Kindern und Jugendlichen , mache den "Grundkurs systemische Beratung" bei ..., und diverse andere "pädagogische Fachtage" etc., bin aber jetzt wirklich mit meinem Latein am Ende.

Gute "Kinderpsychologen" kenne ich im Umkreis von ... nicht wirklich, und die Wartezeiten bei ... sind auch einfach lang.

Wäre es möglich ein oder mehrere Beratungsgespräche zu bekommen, gerne auch mit meinem jüngsten, oder auch mit der ganzen Familie?

Im Inneren denke ich nicht, dass sich mein Sohn etwas antun würde, und bis auf die "paar Stunden" pro Woche ist er ein toller Kerl, der Lacht, Freunde hat, Sport macht und auch gut in der Schule zurecht kommt...

Mit freundlichen Grüssen, und hoffe auf baldige Rückmeldung

...








-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: ...
Gesendet: Donnerstag, 4. Januar 2018 18:45
An: ...
Betreff: AW: Termin


Sehr geehrte Frau ...,

Danke für Ihre Anfrage.

Man kann das nun tiefenpsychologisch angehen und jahrelang auf Kosten der Beitragszahler in der Psyche Ihres Sohnes rumkramen, was er denn wohl für ein frühkindliches Trauma haben könnte. Irgend was wird sich da sicher finden und wenn nicht, dann hat man eben noch nicht tief genug gekramt und die Therapie muss um drei Jahre verlängert werden. Das kann man dann bis ins hohe Rentenalter machen, so lange nicht die Demenz einsetzt und der nunmehr 90-jährge Senior sich an nichts mehr erinnern kann.


Mir scheint, Ihr Sohn hat hier ein prima funktionierenden Schalter gefunden, um sich in den Mittelpunkt zu rücken.

Warum sollte er diesen Schalter loslassen, dann müsste er sich ein neues "Spiel" ausdenken, um die gewünschte Aufmerksamkeit herzustellen.

Das Leben ist aber kein Ponyhof, auch wenn uns Robert Betz womöglich mitteilen will, es wäre anders und wir könnten jeden Tag das bekommen, was wir uns wünschen.

Ich bin jetzt mal provokativ und schlage vor, dass beim nächsten Mal, wenn bei Ihrem Sohn wieder diese aufmerksamkeitserheischende Welle einsetzt, Sie nicht mit den gewohnten Beschwichtigungsritual antworten, auf das Ihr Sohn bereits konditioniert ist und wartet, sondern mit der sicher authentischen Mitteilung, dass Sie von seinem Verhalten genervt sind.

Dann lassen Sie Ihren Sohn mal in Ruhe darüber nachdenken. womöglich hat das schon eine kurzzeittherapeutische Wirkung

 

HIer zwei nette Geschichte zum Thema Kurzzeittherapie:

"Epictetus berichtet in einem seiner Bücher eine Geschichte, die sich in der Stadt Milet in Kleinasien zugetragen haben soll. Dort hatte sich eine Selbstmordepidemie unter jungen Frauen entwickelt. Diese waren von dem Drang erfüllt, sich zu erhängen, sich zu töten und was immer die Verwandten versuchten dagegen zu tun, alles war erfolglos. Bis auf Anraten eines weisen Mannes der Senat ein Gesetz erließ, wonach die Körper der Mädchen, die sich umgebracht hatten, nackt auf dem Marktplatz getragen werden müssen. Diese Maßnahme beendete die Selbstmordpsychose von einem Moment auf den anderen."


Paul Watzlawick: "Vom vermeintlichen Sinn des Unsinns", Baseler Psychotherapietage 1998, Video

Paul Watzlawick, Vom Sinn des Unsinns, CD, Part 1

http://auditorium-netzwerk.de




"Das Bett
Ein kluger alter Mann lebte in Berlin, er hieß Wladimir Lindenberg und stammte aus Moskau, wo er 1902 geboren worden war. Von adeliger Herkunft, musste er seine Heimat nach der Revolution verlassen. In Bonn studierte er Medizin und Psychologie und wurde Schiffsarzt. 1937 steckte ihn die Gestapo für vier Jahre in ein Straflager. 1944 wurde er ausgebombt und zog von Wilmersdorf nach Berlin-Schulzendorf in ein einfaches Holzhaus, wo er von 1959 bis zu seinem Tode im Jahre 1997 als Neurologe und Psychiater praktizierte. Daneben malte er und schrieb und wurde ein angesehener Mann, seine Liebenswürdigkeit und Bescheidenheit waren legendär. Eine seiner Patientinnen klagte eines Tages, sie könne nicht schlafen. Sie bilde sich ein, ihr verstorbener Mann liege unter ihrem Bett. Man möchte meinen, Lindenberg habe eine Anamnese angefertigt, die Krankenkasse um Kostenübernahme gebeten und eine mehrjährige Therapie eingeleitet. Nichts dergleichen tat er. Vielmehr suchte er mit der Dame ihr Haus auf, nahm eine Säge und sägte dem Bett die Beine ab. Die Dame war geheilt."


Berliner Zeitung, 06.03.2008



Mit freundlichen Grüßen


Peter Thiel


 


 

 

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