Distanz und Nähe

 

 

 

 

 

Peter Thiel 

Systemischer Berater und Therapeut / Familientherapeut (DGSF)

Telefon: 030 / 499 16 880 

Funk: 0177.6587641

E-Mail: info@praxis-fuer-loesungsorientierte-arbeit.de

Internet: http://praxis-fuer-loesungsorientierte-arbeit.de

Kontaktaufnahme per Mail wird empfohlen.

 

Die nachfolgenden Anfragen wurden teilweise leicht verändert, um die Anonymität der Anfragenden zu sichern.

 

 

 








-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: ...
Gesendet: Freitag, 20. Juli 2018 16:11
An: ...
Betreff: Anfrage Beratung

Hallo Familien Beratungs - Team,

mein Name ist ... (49), ich wohne in ... und bin seit Anfang diesen Jahres mit meiner Freundin ... (40) aus ... zusammen.

Schon recht früh in unserer Beziehung fühlte und fühle ich mich sehr stark "gefordert", in sehr vielen Aspekten. Vom aus meiner Sicht doch recht deutlich gewünschten Einzug bei meiner Freundin in ... über den (wiederum aus meiner Sicht) enorm hohen und extrem häufigen Wunsch von ihr nach Intimität. Auch die wiederholten Schilderungen ihrer sehr schwierigen finanziellen Situation geben mir ein Gefühl des "enorm unter Druck stehens".

Sie würde das so mit Sicherheit nicht bejahen. Aus ihrer Sicht baut sie sicher keinerlei Druck in auch nur einem der obigen Themen auf.

Durch verschiedene Ereignisse bei denen ich wiederholt meine Belastungsgrenze leider deutlich überschritten hatte, kam es nun (erneut) zum Bruch.

Ich merke, mit erschrecken, das mir der Abstand teilweise gut tut und ich mich wieder autonomer und besser fühle.

Für sie ist es eine große Verletzung die ich ihr zufüge :-(, was ich verstehen kann, denn ich war innerlich wirklich bereit sie zu verlassen, da ich zwischenzeitlich das Gefühl hatte nur noch Mittel zum Zweck zu sein... )

Viele Probleme könnten durchaus einfach aus unseren verschiedenen Ansichten und Erfahrungen resultieren.

Ich hatte (und habe vielleicht noch) eher die Tendenz leicht ins deppresive zu rutschen und benötige irgendwo bis zu einem gewissen Grad noch meine "Halte-Pfeiler". In der Regel die wöchentliche ... gruppe am ... und ...gruppe am ... . Dazu meine Wohnung in der ich selbst für eine gewisse Mindest -Ordnung sorge um mich wohl zu fühlen.

Jedes erwähnen ich würde mich belastet fühlen, löst bei ihr umgehend Kritik aus. Für mich fühlt es sich an wie das sofortige "zurück schlagen".

Wenn ich sage mir geht es nicht gut mit... (ich spreche bewusst von mir und versuche Anklagen zu vermeiden) kommt das bei ihr offensichtlich sofort als Ablehnung von ihr an. Von "Du verletzt mich" über "ich fühle mich überhaupt nicht mehr attraktiv" ist alles dabei. Mir tut das Leid und erzeugt irgendwie wieder Druck.

Wir scheinen von komplett verschiedenen Dingen/Positionen/ Erwartungen zu sprechen. Ein Mittelweg scheint unendlich weit entfernt zu sein...

Wäre es möglich dass Sie uns evtl. mit ihrer Erfahrung in einer Beratung einen möglichen gemeinsamen Weg aufzeigen, falls ein solcher existieren sollte.

Vielen Dank.

Gruß ...

 



-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von:...
Gesendet: Montag, 6. August 2018 16:40
An: ...
Betreff: AW: Anfrage Beratung




Sehr geehrter Herr ...,

Danke für Ihre Anfrage, auf die ich leider erst heute antworten kann.

Ich bin recht pessimistisch, hinsichtlich der Frage, ob es einen gemeinsamen Weg zwischen Ihnen und Ihrer Freundin geben könnte.

Zu unterschiedlich sind ihrer beiden Bedürfnisse. Vermutlich spielen unbewusste Partnerwünsche eine Rolle, dass sie überhaupt zusammengekommen sind.

Ihre Freundin hat sich einen Mann ausgesucht, von dem sie ihre Nähewünsche nicht erfüllt bekommt und das soll auch so sein, denn gerade deswegen hat sie Sie auch (unbewusst) ausgesucht. Das klingt paradox, dass sich jemand einen als Partner aussucht, von dem klar ist, dass dieser die Wünsche nicht erfüllt, die man hat.

Dahinter liegt jedoch die Unfähigkeit, das auszuhalten, was man so sehr sucht. Das ist so, als ob jemand die Freiheit sucht, aber sein ganzes Leben im Ordnungsamt arbeitet, weil die Freiheit viel zu sehr Angst auslöst. Da sitzt man lieber in einem muffigen Büro und sortiert Akten. Die Freiheit, das ist was für das Kino, aber auch nur in Maßen, denn selbst Kinofilme können vorhandene Ängste triggern, so dass womöglich auch das Kinofilm gucken schon zu viel ist.

Sie dagegen sind vermutlich ein eher "autistisch" gepräger Mann, Alexander Lowen würde wohl sagen "schizoider" Körpertyp. Sie brauchen Ihre Ruhe- und Haltepunkte, jedes Überschwemmen mit "Gefühlen" und Nähewünschen, wie von Ihrer Freundin löst Rückzugstendenzen aus. Dieser Rückzug wiederum triggert bei Ihrer Freundin frühe Verlassenheitserfahrungen, die sie mit "noch mehr des selben" (Paul Watzlawick) zu kompensieren sucht, also mit dem Versuch Nähe zu erzwingen, völlige Frustration auf beiden Seiten ist somit vorprogrammiert.

Gleichwohl muss man nicht resignieren, sondern nur "das richtige" tun. Was das richtig ist, gerne helfen wir Ihnen bei der Suche.

...
 

 


Mit freundlichen Grüßen


Peter Thiel







 

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